Abwasser-Einleitung: Schon wieder Fischsterben

Belastung für heimische Fische durch Prädatoren, Sauerstoffmangel, Flussverbau enorm. Agrarische Einleitungen geben den Rest – Schon wieder ein Fischsterben!

Der Gewässerschutz-Sachverständige des AFV-Graz hat uns diesen Bericht über ein aktuelles Fischsterben an der Gleinz in der Steiermark zugespielt. Erneut dürfte eine agrarische Einleitung von toxischen Stoffen die Ursache für die kilometerlange Vergiftung eines Gewässers sein.

Fischsterben an der Gleinz

Am 10.08.2018 um ca. 16:00 Uhr erhielt ein Sachverständiger des AFV-Graz die Nachricht von einem Fischsterben an der Gleinz im Bereich von Unterbergla. Um etwa 17:30 Uhr zeigte sich die Situation vor Ort folgendermaßen:

Beim Augenschein aus Richtung Preding kommend wurden die ersten toten Fische etwas flussabwärts der Teichanlage „Ninaus Teiche“ in Großöden gefunden. Bis zu einer etwa 3,2 Kilometer bachaufwärts gelegenen Einleitung von Abwässern, etwa 500 Meter bachaufwärts von Unterbergla gelegen, wurden überall verendete Fische gefunden. Die Einleitungen stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Agrarkomplex oder der Biogasanlage in Grubberg.

Oberhalb dieser Einleitung zeigt sich der Fischbestand dicht und offensichtlich unbeeinträchtigt, abgesehen von der Niedrigwasser-Situation. Die genannten Abwässer zeigten sich übelriechend nach Ammoniak, schwarz gefärbt und offensichtlich von sauerstoffzehrendem Milieu geprägt. Die Wassermarke im Abwassergraben legte eine kürzlich höhere Abwasserfracht (Stoßbelastung?) nahe. Beim Augenschein wies der Abwassergraben eine Schüttung von geschätzten 0.5 Litern pro Sekunde auf.

In Anbetracht der Niedrigwasserführung des Gleinzbaches von nur etwa 1,5 Litern pro Sekunde ist naheliegend, dass im Zusammenwirken von Abwasserkonzentration, Niederwasser und wochenlang anhaltenden Temperaturen von weit über 30° C, die Sauerstoffversorgung für die allermeisten Fische des Gewässers auf zumindest 3,2 Kilometern Bachlauf nicht mehr gegeben war.

Wasserprobe & Laboranalyse

Inwiefern die Einleitung toxische Substanzen beinhaltet, werden Laboranalysen der gezogenen Wasserproben zeigen. Am 10. 08. 2018 um 17:30 Uhr betrug die Wassertemperatur 21° C. Wobei festgehalten werden muss, dass sich nahezu der ganze Tag bewölkt gezeigt hatte und somit der Wasserkörper nicht unmittelbar der Sonne ausgesetzt war. Die meisten der verendeten Fische waren nicht frisch-tot sondern das Fischsterben dürfte offensichtlich bereits seit zwei bis drei Tagen im Gange gewesen sein. Die Gleinz weist über hunderte Meter bachabwärts des Einmündungsbereiches des Abwassergrabens einen auffälligen, flächendeckenden Blaualgenbewuchs auf. Zudem ohne sichtbare Besiedelung höherer Aquafauna, was auf eine latente Belastung durch die eingeleiteten Abwässer hinweist.

Aufgrunddessen wurde seitens des Sachverständigen eine eingehende Überprüfung der Abwassersituation der infrage kommenden Betriebe ( Agrarkomplex bzw. Biogasanlage) in punkto Stand der Technik sowie des bescheidkonformen Betriebes beim Land Steiermark gefordert.

Die verendeten Fische setzten sich aus allen Altersklassen zusammen und waren folgenden Arten zuzuordnen: Aitel (Squalius cephalus), Laube (Alburnus alburnus), Schneider (Alburnoides bipunctatus), Gründling (Gobio, gobio), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Karpfen (Cyprinus carpio), Karausche ( Carassius carassius), Giebel (Carassius gibelio), Bachschmerle (Barbatula barbatula), Rotauge (Rutilus rutilus), Rotfeder (Scardinius erythrophtalmus), Steinbeißer (Cobitis taenia).

 

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