AH-Conquistadora 1 – Schritt für Schritt zum Meisterstück

Ein Meisterwerk sollte sie werden – ein Meisterwerk wurde sie. Den erfahrenen Händen eines erfahrenen Rutenbauers entwachsen, wird die „Eroberin“ zukünftig auch von erfahrenen Händen geführt werden. Wir haben uns die Entstehung dieser Angelrute genauer angesehen und den Schöpfungsprozess protokolliert.

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, ja selbst über den großen Teich bis nach Alaska hin reicht der tadellose Ruf von Hans Ljubic. Als Fliegenfischer der alten Garde war Ljubic ein Schüler des großen Hans Gebetsroither, der einen weltweit bekannten Wurfstil schuf. Diese, vermutlich eleganteste Art, eine Fliege zu präsentieren wurde dann auch nach seinem Namen „Gebetsroither Stil“ benannt.

Zurück zu unserer Angelrute. Der ursprüngliche Plan war ja, bei der Eröffnung der Fischerei-Saison am Lannacher Weiher (Anm.: Alle Infos dazu auf den Seiten 4/5) eine Angelrute zu verlosen. Zuerst überlegten wir im Redaktions-Team, welche Rute wir denn kaufen sollten, kamen aber schnell zu dem Schluss, dies wäre nicht stilgerecht. Wir sind anders, wir schreiben anders, wir denken anders. Warum also ganz banal eine gekaufte Rute verlosen, wenn wir doch höchste Kompetenzen in eigenen Reihen haben? So war also schnell die Übereinkunft getroffen und Hans konnte losstarten.

Gerade einmal 17 Einzelteile, dafür aber unzählige Jahre Erfahrung braucht es, um eine Rute zu bauen ©Markus Griesangerl

Gerade einmal 17 Einzelteile, dafür aber unzählige Jahre Erfahrung braucht es, um eine Rute zu bauen ©Markus Griesangerl

Doch wie entsteht denn eigentlich solch ein erstklassiges Werk? Wir haben dem Meister über die Schulter geschaut und den Produktionsprozess begleitet. Diesen kann man grob in 15 Schritten umreißen.

1. Fragen über Fragen: „Da ich ja die meisten Ruten speziell für die jeweilige Person baue die sie dann fischt, muss ich zuerst einmal herausfinden was der Angler überhaupt will“, beschreibt Hans den wohl wichtigsten Schritt. Dies ist nicht immer ganz leicht, aber eben elementare Grundvoraussetzung. Wenn diese Frage geklärt ist, wird der für diesen Wunsch optimale Blank ausgewählt. Länge und Wurfgewicht sind schon entscheidende Punkte. Soll die Rute zweiteilig oder mehrteilig (z.B. Reiserute) werden? Und vor allem: Spitzenaktion (schneller) oder eine parabolische (weichere) Aktion? Viele Fragen, die es anfangs zu klären gilt.

2. Kork ist nicht Kork: Ein kleiner Schritt, aber nicht unwesentlich, schließlich soll die Rute angenehm in der Hand liegen. Generell gilt: je feiner der Kork, desto hochwertiger.

3. Fixiert: Rollenhalter werden nach Rollengröße und Blankdurchmesser ausgewählt. „Hierbei verzichte ich meist auf zur Gänze aus Metall gefertigte Rollenhalter. Meine Favoriten sind die Fuji Rollenhalter. Diese haben eine Kunststoff-Einlage an den Schieberingen, die den Rollenfuß fixieren. Sie passen sich perfekt dem Rollenfuß an, da sie sich leicht verformen“, definiert Hans seine Präferenzen. Ein Gewichtsvorteil und schnellere Erwärmung bei niederen Temperaturen erweisen sich als zusätzliche Vorteile gegenüber den metallenen Pendants.

Der Meister bei der Arbeit – In seiner Werkstatt steckt Hans Ljubic all seine Energie und Konzentration in den Rutenbau © Waltraud Ljubic

Der Meister bei der Arbeit – In seiner Werkstatt steckt Hans Ljubic all seine Energie und Konzentration in den Rutenbau © Waltraud Ljubic

4. Herr der Ringe: In puncto Beringung findet nur das beste Material Verwendung, so schwört der Meister auf „Fuji SIC“-Ringe. Ob nun aber Ein-Steg oder Zwei-Steg Ringe verbaut werden, hängt von der Art der Rute ab. Soll es eine Rute werden, die eine robuste Machart verlangt (z.B. Spinn-, oder Grundrute), kommen Zwei-Steg Ringe an den Blank. Soll die Rute aber etwas „feinnerviger“ sein, kommen freilich Ein-Steg Ringe zum Einsatz.

5. Farbenspiel: Nach der Auswahl der Bindeseide für die Fixierung der Ringe – wir haben uns hier für das „Angelhaken-Gelb“ in Kombination mit güldener Zierwicklung entschieden – hat man soweit alle Bestandteile zusammen und kann sich dem eigentlichen Bau widmen.

6. Klebefieber: Im ersten Arbeitsschritt wird der Kork auf das Fußteil des Blanks geklebt. Dies erfolgt mittels eines speziellen Klebers, der beim Aushärten sein Volumen vergrößert und für festen Halt sorgt. Zu vergleichen mit PU-Schaum am Bau.

7. Futter für Fuji: Zwischen die beiden Korkteile, die später den Griff ergeben, wird wird das Unterfutter (ebenfalls aus Kork) für den Fuji-Rollenhalter auf den Blank geklebt.

8. Abgedreht: Nachdem die Verklebung des Korks ausgehärtet ist, werden „Abschlusskork“ und „Unterfutterkork“ auf die passenden Durchmesser abgedreht.

Fuji Rollenhalter in Plastik-Ausführung mit Metallband passen sich besser an den Rollenfuß an, als ihre Vollmetall-Pendants. ©Markus Griesangerl

Fuji Rollenhalter in Plastik-Ausführung mit Metallband passen sich besser an den Rollenfuß an, als ihre Vollmetall-Pendants. ©Markus Griesangerl

9. Abhängen: „Nun klebe ich die gummierte Abschlussbirne, den Rollenhalter und den letzten Kork vor dem Rollenhalter auf, spanne alles zum Aushärten in die Verklebe-Vorrichtung ein und lasse diese verklebten Teile über Nacht aushärten“, schildert Hans am Ende des ersten Produktionstages.

10. Neuer Tag, neues Glück: Der während des Aushärte-Prozesses über Nacht ausgetretene Kleber mit dem Stanley-Messer abgetragen. Das nun schon erkennbare Hand-Teil der Rute wird in die Drehbank eingespannt und vorsichtig in Form geschliffen.

11. Gut beringt: Nachdem der Rutengriff nun seine endgültige Form hat geht es an das Anwinden der Rutenringe. Zuerst werden diese nach Größe sortiert und ausgerichtet. Die optimalen Abstände der Ringe zueinander sind ebenso ein wichtiges Kriterium. Sind sie zu groß, lastet auf einigen Ringen mehr Druck im Drill. Auch wird die Schnur stärker strapaziert. Sind sie zu gering, also zu viele Ringe, leidet die Aktion der Rute darunter, vor allem aber könnte die Rute zu kopflastig werden aufgrund des Gewichtes.

12. Feinarbeit: Die Ring-Abstände werden auf der Rute markiert und die Ringe mittels Bindeseide an den Blank gebunden. Dies erfordert höchste Präzision und laufende Kontrolle der Flucht, Ausrichtung, Kontrolle, Neuausrichtung – immer wieder, bis zuletzt der Endring auf die Spitze gesetzt wird. Hier kommen nochmals Erfahrungswerte zum Tragen, erklärt Hans: „Ich unterfüttere den Spitzenring immer mit einigen Windungen Bindeseide, sodass die Scherkräfte bzw. der Druck der Metallkante auf den Blank minimiert wird. Genau diese Kräfte führen oftmals zu einem Anritzen des Blanks durch das Metall und haben Materialbruch zur Folge!“

Mit ca. 45 Gramm Wurfgewicht ist der Gewinner zukünftig für nahezu jede Situation gewappnet ©Markus Griesangerl

Mit ca. 45 Gramm Wurfgewicht ist der Gewinner zukünftig für nahezu jede Situation gewappnet ©Markus Griesangerl

13. Lackhaft: Die finale – und zugleich längste Arbeitsphase – ist das Lackieren. In einem ersten Durchgang werden die Bindungen mit einem leicht verdünnten Rutenlack gestrichen, sodass der Lack von der Seide aufgesogen wird. Einen Tag später werden die Bindungen dann mit einer unverdünnten Lackschicht versehen. Es folgt ein weiterer Tag Trockenzeit, erst danach wird die Rute beschriftet. Name der Rute, Länge, Wurfgewicht und Name des Inhabers sollten sich darauf befinden. Zum Schluss, nach nochmaliger Qualitätskontrolle trägt der Meister seine Signatur auf. Es folgt eine letzte Lackierung zur Fixation der Beschriftung und Bindungen.

14. Gemach, gemach: Nach dem letzten Anstrich ist jedoch noch Geduld gefragt, braucht es doch jetzt noch eine ausgedehnte Trockenphase. Frühestens nach – für viele Kunden unendlich langen – zwei Tagen, kann die Rute auch wirklich ausgehändigt und verwendet werden.

15. Goodie: „Nachdem man solch ein Einzelstück nicht einfach so transportieren sollte, gibt es zu einer handgefertigten ´Ljubic-Rute´ auch noch ein ebenso von Hand geschneidertes Futteral dazu – aus edelstem Stoff, versteht sich“, zeigt sich der Meister stolz.

Zu Recht, wie wir meinen!

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