Der Wels – Fisch des Jahres 2018

Der Europäische Wels (oder lateinisch „Silurus glanis“) ist der Fisch des Jahres 2018. Von allen auf fisch-des-jahres.info abgegebenen Stimmen entfielen 32 % auf den Wels, 31 % auf den Edelkrebs, 25 % auf die Barbe, 7 % auf den Schneider und 5 % auf den Hasel. Ein äußerst spannendes Rennen, denn nur vier Stimmen waren für den Wels wahlentscheidend.

Mit der Ernennung vom Wels zum Fisch des Jahres wollen die Fischereiorganisationen Österreichs unter Mitwirkung des Bundesamtes für Wasserwirtschaft (Scharfling) die jeweilige Art und ihren Lebensraum ins allgemeine Bewusstsein bringen. Neben der traditionellen fischereilichen Bedeutung soll vor allem auf die aktuelle Bedrohung der Art und auf die Gefährdung seines Lebensraums hingewiesen werden.

Der Wels – ein schwimmender Gigant wird FISCH DES JAHRES 2018

  • Er lebt im Verborgenen, in einer Welt voller Geheimnisse.
  • Seine imposante Größe verschafft ihm Respekt.
  • Und doch ist er gefährdet.
Der Wels liebt Unterwasserstrukturen als Rückzugsort.  ©Wolfgang Pölzer

Der Wels liebt Unterwasserstrukturen als Rückzugsort.
©Wolfgang Pölzer

Er lebt verborgen in der Dunkelheit stehender oder langsam fließender Gewässer. Versunkene Baumstämme, trübes Wasser, versteckt im dicken Wurzelwerk, in Höhlen oder Spalten, das ist die geheimnisvolle Welt des Welses tief im Wasser. Mit seiner dunklen Körperfärbung passt er sich bestens seiner Umgebung an. Der europäische Wels, oder auch Waller genannt, ist – als größter Süßwasserfisch mit einer Körperlänge bis zu 3 Metern – ein perfekter Räuber und verfügt über einen hervorragenden Geruchs- und Geschmackssinn. Mit seinem empfindlichen Gehör ist er spezialisiert auf Geräusche, auch über der Wasseroberfläche. Seine kleinen Augen benötigt er in der Dunkelheit zum Aufspüren der Beute nicht unbedingt. In den Tiefen des Schlammgrundes versteckt, lockt der Waller durch seine Barteln seine Beute an. Er ist wahrlich kein Kostverächter und weiß das Nahrungsangebot gut zu nutzen: Er frisst einfach alles, was in sein geräumiges Mail passt. Durch blitzschnelles Aufreißen des rießigen Mauls saugt er die Beute regelrecht in sich hinein, wobei ein mächtiger Wassersog entsteht. Er ernährt sich nicht nur von Fischen, sondern frisst ebenso Würmer, Schnecken, Insekten und Krebse bzw. mit zunehmender Größe auch Frösche, Ratten, Mäuse und Vögel. Ein ausgewachsener Wels braucht sich nicht zu fürchten und kann ohne natürliche Feinde bei optimalen Lebensbedingungen ein Methusalem mit einem Alter von bis zu 80 Jahren und mehr werden.

Aber auch ein gefürchteter Räuber muss mal klein anfangen. In einem vom „Papa“ (Milchner) behüteten Nest bei angenehmen Temperaturen um die 18 – 20 Grad schlüpft die kleine Larve wenige Tage nach der Eiablage und hat dann im Schutz der Dunkelheit beste Chancen, selbständig zu einem imposanten Wels heranzuwachsen. Europäische Welse gehören zu den am schnellsten wachsenden Fischen und können – je nach Nahrungsangebot – am Ende des ersten Sommers bereits 50 cm Länge und ein Gewicht von bis zu 500 Gramm vorweisen.

Bedeutung als Speisefisch

Jüngere wildgewachsene Welse mit ihrem weißen schmackhaften Fleisch sind grätenarm und bestens als Speisefische geeignet. Der milde Geschmack erinnert etwas an Kalbfleisch. Das Fleisch älterer und größerer Tiere ist fettreich, wird aber in Osteuropa zu Fischgulasch und Fischsuppe verarbeitet. Wels kann gebraten, gegrillt oder auch geräuchert werden. Die im Handel oft angebotenen rotfleischigen afrikanischen Welse stammen jedoch aus kostengünstiger Massenerzeugung in Zuchtanstalten.

Welse vom Aussterben bedroht?

Der Wels ist Symbol für eine veränderte Wasserwelt. Einerseits sind die Bestände teilweise, v.a. aber durch Besatz- und Erhaltungsmaßnahmen der Fischerei stabil. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass er an Wasserqualität und Sauerstoffgehalt geringere Ansprüche stellt und besonders in strömungsarmen Stauräumen bestens zurechtkommt. Das natürliche Eigenaufkommen ist jedoch durch verloren gegangene Laichplätze stark gefährdet. Welse benötigen flache, seichte und bewachsene Uferstellen zum Ablaichen, wo der Milchner (Männchen) die Brut bewacht. Wo es seichte Uferzonen gibt, dort kann sich der Wels fortpflanzen, auch in Teichen und Kiesgruben, heute ebenso in Stauräumen. Doch die notwendigen Flachwasserzonen werden durch Regulierungen und Wehre vielerorts zerstört. Zusätzlich beinträchtigen steter Badebetrieb und in der Donau der Wellenschlag durch Motorboote und Schiffe den Bruterfolg. Der Wels fällt unter Anhang 3 (geschützte Tierarten) der Berner Konvention zum Schutz und zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume. In der Roten Liste Österreichs wird der Wels als “gefährdet“ eingestuft.

Vorkommen in Österreich

In der March gab es über die Zeiten selbsterhaltende Bestände, ebenso in der Raab, einigen Kärntner Seen, in der Alten Donau und in den Lobaugewässern bei Wien.

Schutz und Erhalt der Wasserlebensräume

Die Ursachen für Bestandrückgänge liegen beim Wels, wie so oft, in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Harte Uferverbauungen und abgeschnittene Altarme sind wesentliche Ursachen für den Bestandsrückgang des Welses. Doch der Fisch des Jahres steht ja stellvertretend für zahlreiche Fischarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind.

Daher ist es umso wichtiger, sich für den Erhalt und Schutz der Wasserlebensräume einzusetzen. 48 namhafte Umweltschutz- und Fischereiorganisationen haben sich mit einer Petition an den Finanz- und Umweltminister gewandt mit der Aufforderung, ihrer gesetzlichen Verantwortung im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung der Gewässer nachzukommen. Immerhin ist mit 2-jähriger Verspätung vor kurzem der 2. Nationalen Gewässerschutzplan mit allerlei Vorhaben veröffentlicht worden. Zur Umsetzung fehlt es allerdings an den notwendigen Fördermitteln. Umwelt- und Finanzministerium schieben sich hier bezüglich der Verantwortlichkeit gegenseitig den „Schwarzen Peter“ zu.

Mit Nichtstun bzw. Verzögern gefährden wir unseren Planeten. Vor allem im Süßwasser lebende Arten sind extrem gefährdet, so haben sich die Populationen zwischen 1970 und 2012 um insgesamt 38 % verkleinert. (vgl. Living Planet Index 2016). Es liegt an uns, diese Entwicklung zu stoppen. Hier sehen wir die nächste Bundesregierung gefordert und werden diese unerlässlich zum Fischartenerhalt und Gewässerschutz drängen.

 

Rückfragehinweis: ©Text: fihlife.at;©Fotos: Wolfgang Pölzer

Ein Kommentar

  1. ZIMMERLI 24. Oktober 2017

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