Fangerlebnis für die Ewigkeit – Interview mit einem Tierpräparator

Seit 35 Jahren auf das Präparieren von Fischen spezialisiert, gibt Gerald Dominigg einiges aus seinem Erfahrungsschatz und so manch Hintergrundwissen preis. Von Gert Richter

Angelhaken: Gerald, wir kennen uns bereits seit unserer Jugend und hatten immer wieder Berührungspunkte über Fischereiliches, doch für unsere Leser vielleicht kurz: Wie bist du eigentlich zum Präparieren von Fischen gekommen?
Dominigg: Das gründet schon in frühester Jugend. Voller Stolz hatte ich als Junge meinen ersten selbstgefangenen, etwa 45 Zentimeter langen Hecht mit nach Hause genommen. Diesen, aus heutiger Sicht doch ziemlich kleinen Fisch wollte ich aber gerne haltbar machen. So begann ich zu experimentieren. Ich entfleischte den Kopf, füllte ihn mit Gips und stellte so mein erstes Präparat her – daraus erwuchs mein Interesse. In den Folgejahren lernte ich viel über das Präparieren von Fischen und perfektionierte mein Können. Viele Angelkollegen vertrauten mir später ihre schönsten Fänge an um sie als Trophäe haltbar zu machen.

Angelhaken: Das Präparieren von Fischen setzt aber auch künstlerisches Talent voraus. Was hat sich seit damals handwerklich und künstlerisch verändert?
Dominigg: Damals war es üblich, giftige Stoffe wie Formalin und andere zweifelhafte Mittel zu verwenden. Das habe ich von Anfang an abgelehnt und selbst nur mit Alkohol und Aceton gearbeitet. Waren früher Sägespäne und Faserstoffe als Füllmaterialien für den Körper in Verwendung, so arbeitet man heute nahezu ausschließlich mit Schaumstoffkörpern. Diese haben den Vorteil, dass sich ein modernes Präparat praktisch nicht mehr verformen oder anderweitig verändern kann.

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Angelhaken: Wie bekommt eigentlich ein Fischpräparat sein lebensechtes Aussehen?
Dominigg: Beim Stabilisieren verlieren alle Fische, egal ob Salz- oder Süßwasserarten restlos ihre Farbe. Ich arbeite seit 30 Jahren mit einer selbst entwickelten Airbrush-Technik und stelle so in penibler Kleinarbeit Schuppe für Schuppe und Punkt für Punkt die natürliche Pigmentierung und Färbung wieder her. Selbst die Augen stelle ich artspezifisch in einer Art Hinterglasmaltechnik selbst her.

Angelhaken: Gibt es Arten, die besonders schwierig zu präparieren sind?
Dominigg: Ja, bei Äsche, Rapfen, oder Rotfeder zum Beispiel muss man so ziemlich jede Schuppe einzeln behandeln. Das ist recht mühsam.

Angelhaken: Wie ich sehe, hast du gerade eine riesige Palette an Fischen in Arbeit.
Dominigg: Ja, so etwa eine Seeforelle mit 17 Kilogramm, Welse von 45 bzw. 65 Kilo und zwei Hechte mit 15 und 17 Kilo. Weiters natürlich Salmoniden wie Äschen, Bach- und Regenbogenforellen oder einen arktischen Saibling. Interessant sind aber auch seltene Kleinfischarten wie Bitterlinge oder Jungfische verschiedenster Arten.

Angelhaken: Ich sehe hier aber auch Präparate von Reptilien und sogar von Insekten in deiner Werkstatt.
Dominigg: Ja, neben Fischen habe ich mich auch auf Insekten und Reptilien spezialisiert. Das ist eine hochinteressante Sparte meines Faches.

Angelhaken: Das heißt aber auch, dass nicht ausschließlich Angler zu deinen Auftraggebern zählen?
Dominigg: Nein, nebenbei arbeite ich beispielsweise auch für das Joanneum in Graz, wo ich unzählige alte Präparate jeglicher Art restauriere und ihnen frische Farbe und ein naturnahes Aussehen wiedergebe. Eine spannende Aufgabe, die ich gerne wahrnehme. Außerdem gibt es regen Austausch mit Berufskollegen mehrerer Länder aus unterschiedlichen Spezialgebieten.

Angelhaken: Man spürt förmlich, dass du mit Freude bei der Sache bist. Was macht besonderen Spaß dabei?
Dominigg: Besonders schön finde ich, wenn Schulklassen bei mir zu Besuch sind und die Kinder aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. So anschaulich haben sie vieles meist noch nie zuvor gesehen.

Angelhaken: Ich weiß, du bist selbst Fischer. Wo fischt du bevorzugt?
Dominigg: Meine Fischerei findet hauptsächlich in Skandinavien statt, wo ich regelmäßig jedes Jahr einen ausgiebigen Angelurlaub verbringe. Dort hat es mir in erster Linie die Meeresangelei angetan.

Angelhaken: Gerald, danke dass du uns einen Einblick in deine spannende Tätigkeit als Präparator gegeben hast. Viel Erfolg für die Zukunft und Petri Heil!
Dominigg: Danke auch dir! Es hat mich gefreut, den Angelhaken-Lesern ein wenig über mein Schaffen zu vermitteln.

Fotos: Gert Richter

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