Lannacher Weiher Ende Mai, Anfang Juni: Es sieht aus wie die Tafel nach einem üppigen Festmahl. Die Essensreste der allzu verschwenderischen Gäste liegen an jeder Ecke. Bloß: Wer waren die Gäste und wer hat sie eingeladen?

„Fischreste“ wäre eigentlich die falsche Bezeichnung für das, was sich in den letzten Tagen in der Wiese rund um den AFV-Weiher in Lannach fand. Es waren noch großteils ganze Fische (es handelte sich dabei um Brachsen und Rotfedern aus dem Hälternetz), jedoch mit deutlich erkennbaren Fraßstellen am Kopf. Der Rest der Fischleikörper schien relativ unberührt.

Die Beobachtungen dieser Tage führten natürlich zu den wildesten Spekulationen. Waren es die in der nahegelegenen Teichlandschaft beheimateten Reiher? Hatten in der Region umtriebige Gänsesäger das Gewässer heimgesucht, oder war der an der Kainach bereits weit verbreitete Prädator Nummer 1, der Fischotter in den Weiher eingefallen? Ja selbst Hauskatzen, die oftmals aus den angrenzenden Siedlungen kommend vorbeischauen, gerieten in Verdacht. Was tun?

Die Lösung zur Aufklärung war denkbar einfach, wie auch kostspielig. So wurde eine Wildkamera gekauft und mit Fokus auf das Hälternetz montiert. Einige Tage später, bei erster Durchsicht der Fotos und Videos staunten wir nicht schlecht. Ausschließlich Krähen machten sich über die im Netz wehrlosen Fische her und pickten sich die delikaten Augen und einige Innereien heraus, den Rest verschmähten sie.

Die Art, wie die Vögel zur Tat schritten, erscheint ausgeklügelt bzw. genau durchdacht. Auf einigen Videos war zu beobachten, dass sie sich an den Rand des Netztes stellten und den Fisch mittels Schnabelhieb zum Taumeln brachten. Dann wurde der Fisch geschnappt und auf die Holzplatten der Querverstrebungen an den Ecken des Netzes gelegt, wo sogleich die Augen herausgepickt wurden. Der Rest wurde an Ort und Stelle liegen gelassen.

Auch interessant zu beobachten war die Uhrzeit, in der die Krähen an der reich gedeckten Tafel erscheinen – täglich zwischen 5 Uhr und 7 Uhr morgens. Ausschließlich!

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