Lamingbericht: Fischotter fressen Fluss leer

Die Fischotter werden mehr – die Fische weniger. Diesen Eindruck haben zahlreiche Gewässerbewirtschafter und Fischer schon seit Jahren. Der Zusammenhang konnte aber bisher kaum nachgewiesen werden. Keine Daten – keine Eingriffsmöglichkeiten. Aber: Nun gibt es den vollständigen „Lamingbericht“.

Mit dem Bericht „Entwicklung des Fischbestandes in einem Forellenbach unter dem Einfluss von Fischottern am Beispiel der Laming (Mürz) Grundlagen & Bestandsentwicklung (2007 – 2014“)“, kurz „Lamingbericht“ genannt, liegt seit Jahresanfang ein steirisches Untersuchungsergebnis zum Zusammenhang zwischen Fischbestand und Fischottern vor. Der Autor Gerhard Woschitz, von der IFIS (Ichthyologischen Forschungsinitiative Steiermark), hat die Ergebnisse der diversen Fischotterkartierungen mit jenen aus einer Vielzahl von Fischbestandsuntersuchungen verglichen.

Die Laming gehört zu den am besten untersuchten Gewässern der Steiermark. Es liegen sowohl Fischotterkartierungen als auch Fischbestandsuntersuchungen aus einem Zeitraum von über 15 Jahren vor. Besonders die GZÜV-Befischungen ab dem Jahr 2007 und die Besenderung von zwei Fischotterweibchen im Projekt von ProLutra, (ab 2010) haben zu einer überdurchschnittlich guten Datenbasis geführt.

Die rund 24 Kilometer lange Laming entspringt dem Hochschwab-Massiv und mündet in die Mürz.

Die rund 24 Kilometer lange Laming entspringt dem Hochschwab-Massiv und mündet in die Mürz.

Der rechtsufrige Zubringer zur Mürz entspringt an der Südseite des Hochschwabs und mündet nach rund 24 Kilometern bei Berndorf zwischen Bruck/M. und Kapfenberg in die Mürz. Der Fluss gehört zur Bioregion „Unvergletscherte Zentralalpen“ und zum Epirhithral, also zur oberen Forellenregion. Leitart ist demnach die Bachforelle und typische Begleitart die Koppe. Die Äsche kam im Unterlauf vor vielen Jahren noch vor, hinzukommen noch der Bachsaibling und die Regenbogenforelle in geringen Zahlen.
Die Laming ist demnach ein typischer steirischer Gebirgsbach.

Fischotter waren…

… im Mürztal und den Zubringern natürlich verbreitet. Nach den Bestandseinbrüchen in der Mitte des 20. Jahrhunderts kehrten die Tiere in den 90er Jahren wieder zurück. Seit 1999 ist ein ständiger Anstieg der Losungszahlen an der Laming nachgewiesen. Während im Herbst 1999 an den drei Untersuchungsstellen noch zwischen 0 und drei Losungen gefunden wurden, stieg die Zahl auf 35 bis 85 im Winter 2010. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass dies nicht bedeutet, dass sich im Winter 2010 85 Fischotter an der Laming aufgehalten hätten. Es wurden lediglich bis zu 85 Losungen, also Kotproben gefunden. Pro Lutra hat zumindest zwei ständige Bewohner des Lamingtales dokumentiert, hinzu kommen gelegentliche Männchen sowie Jungtiere. Die tatsächliche Anzahl der Otter an der Laming steht nicht fest. Tatsache ist, dass die Laming von Ottern ständig besiedelt ist.

Fischotter-Verbreitung im zeitlichen Ablauf illustriert mit Originalkartenmaterial aus den Jahren jeweiligen Erhebungsjahren.

Fischotter-Verbreitung im zeitlichen Ablauf illustriert mit Originalkartenmaterial aus den Jahren jeweiligen Erhebungsjahren.

Die Zahlen zum Fischbestand sind jedoch sehr umfassend. Beginnend mit einer Einzelbefischung 2000 liegen umfangreiche Fischdaten aus den GZÜV-Befischungen und von diversen Projekten bis zum Jahr 2014 vor. Dabei wurden neben vielen Einzeldaten u.a. auch Kennzahlen wie die Biomasse/ha, die Individuenzahl/ha sowie der Fischökologische Zustand der einzelnen Stellen (im Lamingprojekt den Flusskilometern FKM zugeordnet) erhoben.

Rückgang um 95%

Die durchschnittliche Biomasse der Laming insgesamt ist von rund 100 kg/ha (2007) auf ca. 5 kg/ha (2014) gesunken. Die Individuenzahlen sind ebenfalls von rund 4.000 Tieren/ha auf unter 200 Tiere/ha gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von jeweils rund 95 %.
Die großen Bachforellen über 30 Zentimeter fehlen zur Gänze, in mehreren Bereichen liegen die Maximallängen der Tiere unter dem gesetzlichen Mindestmaß von 23 Zentimetern.
Dies bedeutet, dass dort keine geregelte Fortpflanzung mehr vorkommen kann, da die Laichfische fehlen.
Besonders deutlich sind die Ergebnisse der Bewertungen des Fischökologischen Zustandes (FÖZ). Entsprechend der WRRL (Wasserrahmen-Richtlinie) sind alle Oberflächengewässer bis spätestens zum Jahr 2027 in einen guten (2) Zustand oder besser zu bringen. Alle Gewässer mit einem Zustand schlechter als 2 führen demnach zu einem Handlungsbedarf, um diesen Zustand zu erreichen.
An der Laming war der FÖZ bis zum Jahr 2009 in einem Bereich zwischen 1 und 1,89, also zwischen dem sehr guten und guten Zustand.
Ab 2012 liegen alle Stellen im unbefriedigend (4) oder schlechten (5) Zustand. Eine einzige Bewertung von 1,67 im Jahr 2014 schrammt aufgrund der besonderen Beurteilungskriterien haarscharf am unbefriedigenden Zustand vorbei.
Der Autor kommt zusammenfassend zum Schluss, dass die Bestandseinbrüche und Entwicklungen auch in den nicht von Kraftwerken beeinträchtigten Strecken in gleichem Ausmaß betroffen sind und demnach ein Zusammenhang mit dem kürzlich errichteten Wasserkraftanlagen auszuschließen ist.

In einem Erweiterungsprojekt wurde nun jene Prädatorenbelastung erörtert, welche für die Erhaltung der natürlichen Fischbestände fischökologisch und fischereiwirtschaftlich noch zumutbar ist. In Kürze folgt der Artikel dazu.

Text: Nicole Prietl, Landesfischereiverband Steiermark

 

Eindeutig Fischotter. Selbst mehrere Kilogramm schwere Karpfen fallen den Fischottern zum Opfer. © LFV OÖ

Eindeutig Fischotter. Selbst mehrere Kilogramm schwere Karpfen fallen den Fischottern zum Opfer. © LFV OÖ

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