Jüngst beschloss der niederösterreichische Landtag den uneingeschränkten Schutz des Fischotters zu lockern. Dies bedeutet aber nicht, dass die Tiere ohne Einschränkung geschossen werden dürfen. Wir haben nachgefragt. markus@derangelhaken.at

Endet Tierschutz an der Wasseroberfläche? Der Fischotter sorgt für Kontroversen zwischen Tierschützern und der Fischereiwirtschaft. ©SvenPaetzold

Endet Tierschutz an der Wasseroberfläche? Der Fischotter sorgt für Kontroversen zwischen Tierschützern und der Fischereiwirtschaft. ©SvenPaetzold

Durch die europaweite Schutzverordnung gelten Fischotter als gänzlich geschützt. In Österreich durften sie nur in extremen Ausnahmefällen, und selbst dann nur nach Einzelbescheid gefangen oder geschossen werden. Durften! Denn jüngst hat der Niederösterreichische Landtag eine Gesetzesnovelle erlassen, die den Schutz von Bibern und Fischottern teilweise aufhebt. Zukünftig fallen die Tiere in das Naturschutzgesetz. Die NÖ-Landesregierung kann somit Eingriffe in problematische Populationen zulassen – allerdings nicht nur per Einzelbescheid, sondern für ganze Regionen. Für uns Grund genug beim Niederösterreichischen Landesfischermeister Karl Gravogl genauer nachzufragen.

Karl Gravogl ist Landesfischermeister von Niederösterreich © Raimo Rumpler

Karl Gravogl ist Landesfischermeister von Niederösterreich © Raimo Rumpler

ANGELHAKEN: Welche Bedeutung und Gefahren für die Teichwirtschaft und Fischereivereine in NÖ gehen derzeit vom Fischotter aus?
KARL GRAVOGL: Der Fischotter an sich ist eine Tierart, die vom Artenreichtum in und an unseren Gewässern profitiert. Durch die Verbesserungen bzw. Wiederherstellung seiner Lebensräume durch aufwändige Projekte in den letzten Jahrzehnten konnte er sich etablieren und vermehren. Wenn sich aber ein Tier ohne natürliche Feinde vermehrt, führt dies über kurz oder lang zu den bekannten Problemen.

Gibt es aktuelle Zahlen zur Population bzw. der Verbreitung?
KG: Aktuelle Zahlen gibt es derzeit nicht. Es wird allerdings gerade ein Projekt durchgeführt, das sich mit der Verbreitung in ausge wählten Bächen durch genetische Untersuchungen auseinandersetzt. Dieses Projekt läuft noch bis Februar 2016. Zusätzlich wird vom NÖ LFV das Projekt „Prädatoren-Biber-Beobachtungsindex“ durchgeführt. Ziel hierbei ist es, durch die Beobachtungen von FischerInnen mehr über die Verbreitung zu erfahren. Dieses Projekt läuft ebenfalls noch bis Februar 2016. Beide Projekte laufen, soviel kann bereits gesagt werden, derzeit sehr gut.

Welche Schäden sind dem Fischotter in NÖ nachweisbar?
KG: Schäden an den Fischbeständen allgemein. Dazu gehören nicht nur fischereilich attraktive Arten wie z.B. Forellen, Karpfen und Hechte, sondern auch seltene Kleinfischarten, sowie ganzjährig geschonte Arten.

Was konkret bedeutet der aktuelle Landtagsbeschluss nun für die Otter?
KG: Der aktuelle Landtagsbeschluss bedeutet lediglich, dass der Fischotter nun im Naturschutzgesetz aufscheint. Bereits im Juli wurde die sehr wichtige Weiterentwicklung des Managements von Biber- und Fischotter beschlossen. Und um eben diese grundlegende Weiterentwicklung eines Managements geht es.

Dieser Beschluss stößt verständlicherweise beim Naturschutzbund auf wenig Freude, der WWF ruft in sozialen Medien öffentlich zum Protest auf und die Landtagsabgeordnete Madeleine Petrovic (Grüne) ortet sogar Verfassungswidrigkeiten und zieht Verbindungen zu Ex-Finanzminister Josef Pröll und dem in der Kritik stehenden Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly. Wie kann man dieser Kritik entgegnen?
KG: Nun, die Fragen die sich manch ein Kritiker stellen sollte: Macht es Sinn, wenn eine geschützte Tierart eine andere geschützte Tierart in ihrem Bestand schädigt? Und vor allem: Sind Fische denn weniger schutzwürdig als Säugetiere?

Was sind Ihre Pläne und Ziele im Landesfischereiverband NÖ, wie man mit dem Thema Fischotter in Niederösterreich zukünftig umzugehen hat?
KG: Das Thema Fischotter bzw. Prädatoren und Biber ist für uns eines der Wichtigsten. Folglich führen wir regelmäßig Gespräche mit dem Land NÖ, Organisationen, Landesfischereiverbänden und weiteren. Das Ziel ist ein Management im Umgang mit den Fischottern. Dies ist nicht nur wichtig für die Fischereireviere und Teichbesitzer, sondern auch für die über 60 Fischarten und rund 44.000 FischerInnen in Niederösterreich, die beinahe täglich mit ihren Sorgen an uns herantreten.

Welche Bedeutung bzw. welchen Einfluss könnte dieser niederösterreichische Beschluss auf die anderen Bundesländer haben?
KG: Wenn ein entsprechendes Management ausgearbeitet wurde, könnte dies möglicherweise auch für andere Bundesländer ein guter Ansatz werden im Umgang mit dortigen Fischottern.

Jörg Leichtfried - steirischer Umwelt und Tierschutzlandesrat ©Sudy

Jörg Leichtfried – steirischer Umwelt und Tierschutzlandesrat ©Sudy

Dieser Landtagsbeschluss in Niederösterreich wurde freilich auch in anderen Bundesländern mit offenen Ohren empfangen. Deshalb haben wir auch beim steirischen Landesrat Jörg Leichtfried nachgefragt, in dessen Verantwortung die Ressorts für Umwelt und Tierschutz fallen. Dieser gibt zu bedenken, dass sich die Steiermark durch einige Punkte von Niederösterreich unterscheidet. „Einerseits ist im Steiermärkischen Naturschutzgesetz keine Verordnungsermächtigung wie in Niederösterreich festgelegt. Andererseits – und das ist wesentlich – weist die Fischotterpopulation in der alpinen Region noch keinen günstigen Erhaltungszustand auf. Ein solcher wäre aber rechtlich notwendig, um etwaige Ausnahmebewilligungenzu erteilen“, konkretisiert Leichtfried. Außerdem könnte man laut ihm „statt letaler Maßnahmen beispielsweise verstärkte Information und Unterstützung für Teichbesitzer andenken, sowie eine Förderung von Abwehrmaßnahmen wie zum Beispiel Einzäunungen.“

Ob und wie weit sich dies dann auch für die vielen steirischen Fließgewässer der kontinentalen Region umsetzen lässt, wird man sehen. Wichtig wäre es, das Thema Fischotter sachlich zu betrachten. Zahlen und Fakten, wie beispielsweise den kürzlich fertiggestellten „Laming-Bericht“ zu berücksichtigen und vor allem Emotionen beiseite zu schieben – von allen Beteiligten.

Typische Fischotter-Fraßspuren ©LFV OÖ Fischotter

Typische Fischotter-Fraßspuren ©LFV OÖ Fischotter

2 Kommentare
  1. Walter sagte:

    Ein Bach in OÖ, aus dem Nationalpark Kalkalpen ca 12 Km lang 2Km Reguliert eine Breite von 5 bis 30 m ansonsten ein typischer Wildbach, ist beinahe Fischleer. Hier sind keine Betriebe oder intensive Landwirtschaft schuld. Hier wüten die Fischotter. Bis vor 10 Jahren gab es hier wunderschöne Bachforellen in jeder Größe. Wollen unsere sogenannten Tierschützer so lange warten bis auch der Eisvogel, die Wasseramsel und und und…..auch der geliebte Gänsesäger verschwindet.
    Ein besorgter Fischer und Naturbeobachter.

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    • karl sagte:

      Diese teilweise selbst ernannten Tierschützer sind meiner Meinung nach nur Schreibtisch Attentäter.
      Geben nur allem anderen die Schuld das der Fischbestand weniger wird.
      Fischbestand erhält sich bekanntlich nur über gesunde Muttertiere, dafür braucht es wohl keine weitere Erklärung.
      Haben sich nie Gedanken um oder über das Fisch leid gemacht, diese werden bei lebendigem Leib gefressen.
      Jeder andere Beutegreifer Tötet seine Beute.
      Außer dem ist es wohl das einfachste und billigste für etwas zu schreien wo man selber keinen Beitrag dazu leisten muss.
      Albert Einstein sagte schon zwei Dinge sind unendlich das Universum und die menschliche Dummheit.
      Gruß Karl

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