Fischsterben in Graz – Einzig Fischer sind sofort rettend zur Stelle.

Stell dir vor, es ist Fischsterben und niemanden interessiert es. So in etwa fühlten sich gestern jene Personen, die ein Fischsterben in Graz im Petersbach meldeten. Ein bei der Feuerwehr der Stadt Graz alarmierender Anruf mit Bitte um Frischwasserzufuhr aus einem Hydranten wurde mit einem Hinweis zur telefonischen Kontaktaufnahme mit der Behörde quittiert – als Feuerwehr dürfe man hier nicht eingreifen. Wait, what? Tja… Aber mal langsam und der Reihe nach…

Fischsterben in Graz – die Details

Am späten Vormittag des 15. Juni wurde von einem Läufer, der selbst beeidetes Fischereiaufsichtsorgan ist, ein Fischsterben im Petersbach (Graz, Steiermark) festgestellt. Dass der Petersbach im Sommer an manchen Tagen partiell trocken liegt, ist an und für sich nichts Besonderes. Die im Bach lebenden Kleinfische wandern mit sinkenden Wasserstand flussabwärts. Die wenigen verbleibenden Fische finden in einigen Wassergumpen einen Rückzugsort. Diese sichern  notfalls für einige Tage das Überleben. Normalerweise. Diesmal war alles anders.

In einem etwa 30 Meter langen Gumpen bzw. einer Lacke befanden sich noch tausende Kleinfische. Dutzende Fische trieben aber bereits tot im lauwarmen Wasser. Auch etliche Flusskrebse kamen mit den Zuständen nicht mehr zurecht, wollten aus der sauerstoffarmen Lacke entfliehen und wurden Beute der herangeflogenen Krähen. Ein Anrainer – übrigens auch Fischer – hatte bereits seinen Gartenschlauch durch seinen Zaun gelegt und damit Frischwasser in die Lacke geleitet. Er hatte maßgeblichen Anteil, dass die Fische zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebten.

Der Fischereiaufseher zögerte nicht und versuchte sofort sämtliche Stellen telefonisch zu alarmieren. Was auf Anhieb klar war: Eine Fischrettung würde nur funktionieren, wenn möglichst schnell größere Mengen Frischwasser in den Bach eingeleitet würden. Ein Anruf bei der örtlich nächstgelegenen Feuerwehrdienststelle brachte nur einen Verweis auf die Zentrale der Berufsfeuerwehr Graz. Ein Anruf dort mit der Bitte um eine eventuell mögliche Wassereinbringung aus dem nahegelegenen Hydranten brachte lediglich den Hinweis, die Feuerwehr dürfe das nicht und man solle sich doch bei der Behörde melden. Tja…
Anruf bei der Behörde. Nach einer umfangreichen Erklärung der Sachlage folgte ein: „Ja, ähm danke. Wir werden uns das anschauen.“

Da man hier also nicht von Hilfe ausgehen konnte, wurden schnellstmöglich einige Fischer-Kollegen kontaktiert zwecks etwaiger Hilfe. Der Obmann des AFV-Graz (Robert Thüringer) ließ sofort alles liegen und stehen, bestückte sein Auto mit einem Transporttank, Sauerstoffflasche, Elektroaggregat, Kescher, Kübel und füllte auf dem Weg zum Petersbach den Transportbehälter auch noch mit Frischwasser.

Kinder als Ersthelfer bei Fischsterben in Graz

Am Einsatzort angekommen zeigte sich bereits eine drastische Verschlechterung der Situation. Bereits hunderte Fische waren verendet, nur in dieser einen Lacke. Zwei Mädchen haben in der Zwischenzeit versucht, einige Fische mit kleinen Aquarienkeschern und Plastiksackerl zu fangen und schnell in deren Gartenteich in Sicherheit zu bringen. Durchaus mit Erfolg. GROSSARTIG!

Die Fischrettungsaktion selbst verlief dann dank der beiden Elektrobefischungs-Profis vom AFV-Graz ohne weitere Probleme ab. Einzig die Arbeit bei 34 Grad Celsius und direkter Sonnenbestrahlung machte die Aktion zum Kraftakt. Die aus dem Petersbach geretteten Fische erholten sich im sauerstoffgeschwängerten Frischwasser-Behälter rasch und konnten nach Ende der Aktion wohlauf in die nahegelegene Mur übersiedelt werden. Ohne einen einzigen Ausfall!

Ursachenforschung

In der Ursachenforschung stießen die Fischretter schnell auf die Wurzel des Übels: Mehrere – natürlich von Menschen bzw. von diversen städtischen Behörden eingeleitete – Umstände.
Ein Grund war die Anzahl und die Art der Fische. etwa zwei Kilometer flussaufwärts wird mitten in St. Peter gerade ein Hochwasserrückhaltebecken auf dem Areal eines größeren Teiches gebaut. Beim Ablassen des Teiches gelangten wohl übermäßig viele Teichfische in den Bach. Da Teichfische oftmals nicht wie deren Fließwasser-Pendants mit sinkendem Wasserspiegel gewöhnlich flussabwärts wandern, blieben diese eben in den wenigen seichten Wassergumpen zurück.

Eine weitere und die weitaus schlimmere Ursache: Mitarbeiter der Stadt Graz haben tags zuvor das Gras im Bachbett gemäht und den Grünschnitt im Wasser liegen gelassen. Daraus entstanden zum einen natürliche Barrikaden, die ein etwaiges Abwandern verhinderten und zum anderen eine Sauerstoffunterversorgung. Was Grünschnitt mit dem Sauerstoffgehalt eines Gewässers anrichtet, sollte eigentlich selbst jeder Hobby-Gärtner wissen, Profis erst recht. Nicht umsonst ist es überall verboten Grünschnitt in Gewässer zu entsorgen.

Fazit

Jedenfalls… um zu einem Ende zu kommen… wurden ca. 2.500 Kleinfische und Flusskrebse gerettet und erfolgreich umgesiedelt. Für rund 800-1.000 Fische und Krebse kam jede Hilfe zu spät. Dennoch ein Erfolg!

Übrigens: Weder Feuerwehr, noch Wasserbehörde oder Tier- und Naturschutz wurden gesichtet. Traurige Anekdote am Rande in Form eines Zitats: „Tier- und Naturschutz? Nein, da wird Sie keiner zurückrufen, die sind an Wochenenden nicht erreichbar!“

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