Zwischen den Zeilen

Bei der Anwendung der Fischereiordnung darf selbstverständlich das Erlebnis Angeln nicht zu kurz kommen, es muss aber auch der Schutz der Gewässer und des Fischbestandes gewährleistet werden. Hier die Fortführung unserer offiziellen Vereinsmitteilung an die Mitglieder des AFV-GRAZ. von Walter Maderer maderer@derangelhaken.at

Jede einzelne Bestimmung der derzeit gültigen Fischereiordnung hat ihre kleine Geschichte, sie musste irgendwann einmal eingeführt werden. Grund war immer, weil es irgendjemand genau darauf angelegt hatte, ein Verhalten an den Tag zu legen, das zwar für jeden mit gesunden Menschen- u. Fischverstand gesegneten Petrijünger tabu war, aber in der Fischereiordnung nicht dezidiert verboten. Im Falle einer Beanstandung durch ein Fischereiaufsichtsorgan rechtfertigte sich der Betretene oft mit den Worten: „Und wo steht das?“. Soviel zur Geschichte unserer Fischereiordnung. In dieser Serie versuchen wir, eventuelle Unsicherheiten beim Verständnis der Fischereiordnung aus dem Wege zu räumen und setzen mit dem Kapitel
C) SCHUTZ DER GEWÄSSER UND DES FISCHBESTANDES fort.

Fischaufstiegshilfen sehen nicht immer nach einem technischen Bauwerk aus, manche fügen sich naturnah in die Landschaft

Fischaufstiegshilfen sehen nicht immer nach einem technischen Bauwerk aus, manche fügen sich naturnah in die Landschaft

2. Fischabfälle: Das Versorgen (Putzen, Schuppen, Ausnehmen) von Fischen am Reviergelände der stehenden Gewässer und Lahnen ist verboten.
Auch wenn gesetzlich nichts dagegen sprechen mag, ist es doch ziemlich unästhetisch und auch unhygienisch, wenn an einem stehenden Gewässer die Überreste eines verwerteten Fisches herumschwimmen. Man stelle sich vor, mehrere Fischer würden derart handeln. Mit den Innereien könnten auch eventuell vorhandene Innenparasiten in das Wasser gelangen. So würden sich z.B. Fischbandwürmer weiter verbreiten. Obwohl an fließenden Gewässern nicht verboten, raten wir aber auch dort ab Fische direkt am Wasser auszunehmen, weil ein geringes Restrisiko einer mikrobakteriellen Infektion besteht. Schließlich können auch augenscheinlich klare Gewässer Fäkalkeime aus den überall vorhandenen Kläranlagen enthalten und vor allem bei sommerlichen Temperaturen Fischfleisch infizieren. Was am stehenden Gewässer verboten ist, kann auch am fließenden Gewässer nicht empfohlen werden.

3. Fischaufstiegshilfen: Generell ist das Fischen in folgenden Fischaufstiegshilfen verboten:
Mur-Nord: Kronenwehr linksufrig, KW Peggau bei der Betonschwelle linksufrig, KW Friesach rechtsufrig.
Gleinz: Sohlstufe d. Wasserentnahme Waldschacherteiche
Kainach: Raue Rampe Höhe Sportplatz Krottendorf
Die oberen und unteren Begrenzungen der als Fischaufstiegshilfen definierten Bereiche sind den Lizenznehmern durch Tafeln, Markierungen oder in anderer Form kundgemacht.

Darüber, dass in den Fischaufstiegshilfen nicht gefischt werden darf, muss wohl nicht diskutiert werden, aber nicht jede Fischaufstiegshilfe war für jeden Lizenznehmer erkennbar. Das liegt zum Einen daran, dass sie im besten Fall sehr naturnah gebaut sind und daher vielleicht nicht unbedingt als Fischaufstiege auffallen, zum Anderen kommen sie nicht zwangsläufig in Verbindung mit Kraftwerksbauten vor. Sie sind immer dort sinnvoll, wo ein Wander- bzw. Aufstiegshindernis vorhanden ist. Um das Funktionieren der Fischaufstiegshilfen zu gewährleisten ist es auch notwendig, dass unmittelbare Bereiche ober- und unterhalb der eigentlichen Aufstiegshilfe zugerechnet werden.

Fischaufstieg Kainach

Fischaufstieg Kainach

4. Schongebiete: In besonders gekennzeichneten, ständigen oder zeitlich begrenzten Schongebieten (u. U. Aufzuchtsstrecken) ist das Fischen verboten.
Eine selbst erklärende Bestimmung. Wer „ernten“ will, muss auch „säen“. Derzeit betrifft dieser Punkt nur die Schonbuchten unserer stehenden Gewässer. Es ist aber vorstellbar, dass anlassbedingt eine derartige Strecke temporär auch in einem Fließgewässerabschnitt ausgewiesen wird.

5. Setzkescher: Fische die sich im Setzkescher befinden gelten als angeeignet (Eintragungspflicht in d. Fangstatistik!) und dürfen nicht mehr gegen später gefangene Fische getauscht werden. Die Mitnahme lebender Fische, die gemeinsame Hälterung gefangener Fische mehrerer Lizenznehmer in einem Setzkescher und das Vertauschen von Fischen ist nicht gestattet.
All diese Maßnahmen haben einzig und allein den Zweck, Fischentnahmen fair und für Aufsichtsorgane klar nachvollziehbar zu machen. Wer seinen Privatteich mit Fischen besetzen möchte, ist im AFV-Graz nicht an der richtigen Adresse.

6. Veräußerungsverbot: Der Verkauf und Handel mit angeeigneten Fischen ist verboten.
Das Naturerlebnis Fischen auf der einen Seite und ein eventuell wirtschaftlicher Gewinn mit der Beute lassen sich nicht vereinbaren.

7. Schonzeiten: Gezieltes Fischen auf Wassertiere während deren Schonzeit, das Anreißen von Fischen und das Eisfischen (Aufschneiden der Eisdecke) sind verboten.
Auch diese Maßnahmen zielen auf die Waidgerechtigkeit und die Fischgesundheit ab. Besonders Cypriniden, die im Winter ihren Kreislauf auf „Stand-by“ heruntergefahren haben, wären durch einen derartigen Stress akut am Weiterleben gefährdet. Wer im Winter fischen möchte, kann beispielsweise den Huchen suchen, die Chancen ihn zu finden sind derzeit nicht so klein.

Auch wenn stehende Gewässer zugefroren sind, besteht bis Ende Februar die Möglichkeit, auf Huchen zu fischen.

Auch wenn stehende Gewässer zugefroren sind, besteht bis Ende Februar die Möglichkeit, auf Huchen zu fischen.

Unsere Gewässer und Fischbestände sind unser Kapital. Jeder Lizenznehmer mit Verantwortung wird sich mit der Fischereiordnung auseinandersetzen und danach streben, die Bestimmungen einzuhalten. Damit sollen saubere und besuchenswerte Reviere, gesunde und reproduktionsfähige Fischbestände gewährleistet bleiben. Weiters steht die Fischereiordnung dafür, dass unsere Passion in nachhaltiger, fairer und kameradschaftlicher Gesinnung ausgeübt werden kann.

Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe.
Fotos: Walter Maderer, Markus Griesangerl

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