Zwischen den Zeilen

Das Verfassen einer Fischereiordnung ist immer eine Gratwanderung. Einerseits soll dem ohnehin arg gefährdeten Fischbestand höchstmöglicher Schutz angedacht werden, andererseits soll der Angler bei Ausübung seiner Passion größtmögliche Freiheit haben. Diese offizielle Vereinsmitteilung an die Mitglieder des AFV-GRAZ beschäftigt sich mit der Fischereisaison und den Fischereizeiten. von Walter Maderer maderer@derangelhaken.at

Ein Drill beim Nachtfischen – hier auf Aalrutte in der Mur-Süd – verspricht besondere Spannung © Markus Griesangerl

Ein Drill beim Nachtfischen – hier auf Aalrutte in der Mur-Süd – verspricht besondere
Spannung © Markus Griesangerl

Im Zusammenhang mit der Fischereisaison tauchen immer wieder Fragen auf. Warum darf eigentlich nicht das ganze Jahr in der Mur gefischt werden, oder warum darf ich nicht rund um die Uhr fischen? Nun, allen Anglern recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Aber irgendwo müssen eben Regeln ein möglichst reibungsloses Miteinander am Fischwasser ermöglichen. Dabei können selbstverständlich – je nach persönlicher Neigung – die Meinungen leicht voneinander abweichen. So ist es beispielsweise für manche das größte Glück auf Erden, die ganze Nacht mit Knicklicht oder elektronischem Bissanzeiger auf den ultimativen Anbiss zu warten. Andere können dem mit der lapidaren Äußerung „in der Nacht schlafe ich lieber“ nichts abgewinnen. Warum es in der Fischereiordnung überhaupt zeitliche Beschränkungen gibt, wird in der Folge versucht, nachvollziehbar zu erklären.

D) FISCHEREISAISON UND FISCHEREIZEITEN
1. Fischereisaison: Grundsätzlich ist die Ausübung der Fischerei in allen Revieren vom 01.01. bis 31.12. erlaubt. Folgende Sonderfälle sind zu beachten: In den Mur-Revieren ist das Fischen vom 01.01. bis 15.03. nicht gestattet (Ausnahme: Fischen auf Huchen vom 01.01. bis 28.02 (in Schaltjahren bis 29.02.) Im Revier Kainach ist das Fischen vom 01.01. bis 15.03. nicht gestattet. Im Revier Lannach ist das Fischen vom 01.01. bis 30.04. nicht gestattet.
In der Mur und Kainach befinden sich bis Mitte März beinahe alle für die Entnahme interessanten Fischarten, wie Forelle, Äsche oder Hecht in der Schonzeit. Diese Fischarten sind entweder nach ihrem kräfteraubenden Laichgeschäft noch nicht in physischer Hochform oder bereiten sich erst auf das Ablaichen vor. Auch bei nicht beabsichtigter Entnahme wäre es nicht weidgerecht, diese Fische zu „Trainingszwecken“ zu befischen. Aber – den regelkonformen Köder vorausgesetzt (siehe Fischereiordnung B / Weidgerechtigkeit, Köder & Geräte, Pkt. 9) kann in der Mur bis zum letzten Februartag gezielt auf Huchen gefischt werden. Danach ist bis zur Freigabe der Bachforelle, ab dem 16. März wirklich Pause. In der Kainach wurden zwar auch schon Huchen gesichtet und gefangen, doch spielt dort das Vorkommen dieses Groß-Salmoniden für den motivierten Großfischjäger keine gravierende Rolle.

Der Lannacher Weiher – ein ehemaliger Ziegelteich – wird ausschließlich „von oben“ mit Wasser versorgt, weshalb er auch als Himmelteich bezeichnet wird. Zum Unterschied von Baggerseen (Roman-Gallin-See, Gralla-Weiher) findet in derartigen Gewässern kein Austausch mit Grundwasserquellen statt. Himmelteiche sind im Falle eventuell auftretender Fischkrankheiten oder sonstiger Störfälle daher besonders gefährdet, schließlich kann man ein derartiges Gewässer nicht ablassen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, ist es daher sinnvoll, den Fischen Zeit zu geben, sich nach der Winterruhe wieder in eine gute Kondition zu bringen. In den ersten Wochen nach der Winterruhe veranlasst die Teichmannschaft daher auch eine gesundheitliche Kontrolle der Fische und des Wassers. Traditionell erfolgt das Anfischen daher am 1. Mai des Jahres.

2. Allgemeine Fischereizeiten: Mit Ausnahme der gesondert geregelten Bestimmungen für das Nachtfischen (Pkt. 3) und der besonderen Bestimmungen (Abschnitt F) für die Mur-Reviere (Nord /Graz) und den Lannacher Weiher gelten folgende Beginn- und Endzeiten der Fischerei:

Jänner 7:30 – 17:30 Uhr
Februar 6:30 – 18:00 Uhr
März 5:30 – 18:30 Uhr
April 5:30 – 20:30 Uhr
Mai 5:00 – 21:00 Uhr
Juni 4:30 – 22:00 Uhr
Juli 4:30 – 22:00 Uhr
August 5:00 – 21:30 Uhr
September 5:30 – 20:00 Uhr
Oktober 6:30 – 19:00 Uhr
November 6:30 – 17:00 Uhr
Dezember 7:00 – 16:30 Uhr

Durch allzu deutliches Verlegen der Angelzeit in die Nacht könnte sich womöglich ein potentielles „schwarzes Schaf“ angezogen fühlen, dem AFV-GRAZ beizutreten, um im Schutze der Dunkelheit seine vielleicht sehr eigenartige Vorstellung von Weidgerechtigkeit, oder von Entnahmestückzahlen etc. in die Tat umzusetzen. So gesehen ist es im Sinne einer sinnvollen Ausübung der Fischereiaufsicht günstig, das Angeln mit dem Tageslicht in Verbindung zu bringen. Für viele Fischermethoden ist der Faktor „Sehen“ ohnehin von wesentlicher Bedeutung, bedenkt man beispielsweise das Spinn- od. Fliegenfischen. Das Argument, dass man an seinem Vereinsgewässer viel lieber eigene Angler hat, als fremde, hat aber sicherlich auch seine Berechtigung. Somit kommt nicht nur dem beeideten Aufsichtsorgan, sondern auch dem fischenden Vereinsmitglied eine wichtige Aufsichtsfunktion zu. Nicht zu vergessen der Arbeitnehmer, dessen Wunsch, nach Dienstschluss noch etwas angeln zu gehen, durch ein zu jähes Ende der täglichen Fischereizeit ad absurdum geführt wird. Bei der Festlegung der allgemeinen Fischereizeit haben letztendlich diese verschiedenen Sichtweisen zu einer – wie wir hoffen – für alle annehmbaren Regelung geführt. Die besonderen Bestimmungen für die Reviere Mur-Nord und Mur-Graz, sowie den Lannacher Weiher (Abschnitt F) dürfen an dieser Stelle noch extra hervorgehoben werden.

3. Nachtfischen: Die Ausübung der Fischerei außerhalb der allgemeinen Fischereizeiten ist nur in folgenden Revieren und zu folgenden Zeit erlaubt:

  • Roman-Gallin-See: In der Zeit von 01.06. bis zum 31.10., jeweils die Nächte von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag. Fallen in diesen Zeitraum gesetzliche Feiertage an einen Donnerstag oder Montag, so darf der Beginn des Nachtfischens um 1 Tag entsprechend vorverlegt bzw. um 1 Tag verlängert werden.
  • Gralla Weiher: 1. Termin: Zwei aufeinander folgende Nächte mit Beginn am letzten Freitag d. Monats Juni 2. Termin: Zwei aufeinander folgende Nächte mit Beginn am letzten Freitag d. Monats Juli
  • Lannacher Weiher: 4 Termine: Zwei aufeinander folgende Nächte mit Beginn am ersten Freitag d. Monate Juli, August, September und Oktober
  • Stainz, Gleinz, Laßnitz sowie Laßnitz Süd: Ganzjährig erlaubt

Im Zuge der letzten Jahre wurde vor allem auch die Anzahl der Nachtfisch-Termine in mehreren Schritten immer wieder zu Gunsten der Mitgliederzufriedenheit nachjustiert. Seit der letzten Änderung der Fischereiordnung sind diese jährlich gleichbleibenden Termine auch in der Fischereiordnung zu finden. Damit – so hoffen wir – haben wir den Anhängern des Nachtfischens die Planung erleichtert und laden die AFV-GRAZ Mitglieder ein, diese oft romantisch und abenteuerlich anmutenden Nachtfisch-Ausflüge recht zahlreich wahrzunehmen.

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