Zwischen den Zeilen

Die Einhaltung einer Fischereiordnung fällt leichter, wenn man weiß, welcher Sinn hinter den Vorschriften steckt. Die nachfolgenden Zeilen sind als offizielle Vereinsmitteilung an die Mitglieder des AFV-GRAZ zu verstehen. Von Walter Maderer

Obwohl die geltende Fischereiordnung des AFV-GRAZ möglichst klar definiert ist, befasst sich diese Serie mit weiterführenden Erläuterungen einzelner Bestimmungen. Lizenznehmer, die sich über Sinnhaftigkeit oder Herkunft der einen oder anderen Bestimmung nicht im Klaren sind, haben hier Gelegenheit, Erklärungen zu finden. Wir sind in der letzten Ausgabe beim wichtigsten Kapitel unserer Fischereiordnung angelangt.

B) WEIDGERECHTIGKEIT ,KÖDER & GERÄTE

6. Jeder Lizenznehmer hat eine geeignete Vorrichtung zum Abmessen der Fische, eine zum Lösen von Angelhaken vorgesehene Lösezange, sowie ein geeignetes Instrument (Fischtöter) zum weidgerechten Töten der Beute bei sich zu führen. Die Verwendung von Drahtsetzkeschern und Gaffs ist ausnahmslos verboten!

Zur Beantwortung der Frage, ob der eben gelandete Fisch entnommen werden soll/darf, ist es natürlich notwendig, eine Vorrichtung zum Abmessen der Fische zur Hand zu haben. Ungeachtet der Verpflichtung zum Mitführen einer Messvorrichtung mit Zentimeter-Einteilung ein kleiner Tipp von mir: Ich habe zusätzlich an meinen Spinnruten Brittelmaß-Marken angebracht. So weiß ich sofort, ob beispielsweise ein Zander oder Hecht entnommen werden darf. Im Falle der Entnahme kann ich vor der Eintragung in die Fangstatistik immer noch genau messen. Eine zum Lösen von Angelhaken vorgesehene Lösezange (keine Installationszange oder dergleichen!) gehört ohnehin in jede Fischerjacke, wie sonst kann ein etwas tiefer geschluckter Haken wieder entfernt werden. Unter geeignet verstehen wir, dass sie zwar

mechanisch einwandfrei funktionsfähig ist, jedoch filigran genug, um einen kleinen Haken beispielsweise aus dem Maul einer untermaßigen Äsche zu lösen. Die angeführten drei Werkzeuge: Messvorrichtung,

Lösezange und Fischtöter müssen sofort griffbereit sein, was bedeutet, dass diese Werkzeuge bei sich zu führen sind. Es ist nicht Sinn der Sache, wenn diese Utensilien bei Bedarf erst aus dem Kofferraum d. KFZ geholt werden müssten. Unter „bei sich führen“ ist zu verstehen, dass diese Gegenstände entweder direkt „am Mann“ bzw. „an der Frau“ oder sonst direkt am Angelplatz auf ihren Einsatz warten.

7. Grundsätzlich darf nur mit 1 sichtbaren Angelrute und 1 Einzelhaken gefischt werden. Am Roman Gallin See sind 2 Angelruten erlaubt.

Unsichtbare Ruten? Naja, Angeln nur mit Schnur und Köder vielleicht – dies ist aber im AFV-GRAZ verboten. Mit 2 Angelruten zu fischen ist in Anbetracht der Größe des Gewässers einzig am Roman Gallin See erlaubt.

Mindestfanglängen – am Rutenblank markiert – für eine schnelle Entscheidungshilfe.

Mindestfanglängen – am Rutenblank markiert – für eine schnelle Entscheidungshilfe.


8. In allen Fällen sind Schonhaken bzw. Haken mit sorgfältig angedrücktem Widerhaken zu verwenden. Bei der Verwendung von Kunstködern müssen Mehrfachhaken (z.B. Drilling, Zwilling) durch Einzelhaken ersetzt werden. Mehrfachhaken mit manipulierten Hakenschenkeln zählen nicht als Einfachhaken.

Was sind Mehrfachhaken mit manipulierten Hakenschenkeln? Ganz einfach: Mehrfachhaken (Zwilling od. Drilling) mit teilweise abgezwickten Hakenspitzen/bögen. Weil es in der Vergangenheit diesbezüglich abenteuerliche Konstruktionen gegeben hat, dürfen derartig veränderte Haken nicht verwendet werden, es dürfen ausschließlich „originale“ Einzelhaken zum Einsatz kommen.

9. In den Mur-Revieren ist das Fischen von 01.01. bis 28.02. (in Schaltjahren bis 29.02.) ausschließlich mit Kunstködern (Wobbler, Blinker, Spinner, Huchenzopf, Streamer etc) sowie mit totem Köderfisch mit einer Mindestgröße von 12 cm (gemessen ohne Haken) gestattet. In allen Fließgewässern ist von 16.03. bis 30.06. (Huchen- und Hechtschonzeit) bei Kunstködern oder totem Köderfisch eine Maximallänge von 6 cm (gemessen ohne Haken) gestattet.

Im Zeitraum vom 01.01. bis zum letzten Februar haben fast alle relevanten Mur-Fischarten Schonzeit – nur dem Huchen darf nachgestellt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine in der Schonzeit befindliche Bach- oder Regenbogenforelle den Köder nimmt, kann herabgesetzt werden, wenn größere Köder – bei uns mindestens 12 cm – verwendet werden. Ausgeschlossen kann ein Forellenbiss damit zwar nicht werden, aber zumindest ist er nicht so wahrscheinlich. Mit dem Ende der Bachforellenschonzeit ab 16.03. verhält es sich genau umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein in der Schonzeit befindlicher Hecht oder Huchen den öder nimmt, kann herabgesetzt werden, wenn kleinere Köder – bei uns maximal 6 cm – verwendet werden. Diese Bestimmung gilt allerdings nicht nur in der Mur, sondern in allen Fließgewässern.

10. Das Angeln mit lebenden und toten Wirbeltieren ist verboten. Einzige Ausnahme: die Verwendung eines toten Köderfisches. Bei der Entnahme von Köderfischen sind die übrigen Bestimmungen dieser Fischereiordnung genauestens einzuhalten, d.h. es dürfen weder Brittelmaße unterschritten, noch Schonzeiten missachtet werden. Die entnommenen Köderfische sind in der Fangstatistik zu erfassen. Für Köderfische die bei Angelgerätehändlern bzw. Fischzüchtern erworben und zum Angelplatz mitgebracht werden, entfallen jedoch Schonzeiten und Brittelmaße, solche Fische dürfen jedoch unter keinen Umständen lebend in das Fischwasser ausgesetzt werden.

Die Verwendung von Lebendködern ist bei uns glücklicherweise schon lange verboten, aber auch in Ländern, wo es dieses Verbot noch nicht gibt, ist der Verzicht dieser Angelmethode für verantwortungsvolle Angler aus Gründen der Ethik eine Ehrensache. Auch ein toter Köderfisch (zwar Wirbeltier, aber Ausnahme) entpuppt sich gut geführt als ein hervorragender Köder auf Raubfische. Hinsichtlich der Entnahme von Köderfischen kann zusammenfassend gesagt werden, dass auch für Fische, die als Köder für den Fang von Raubfischen Verwendung finden sollen, sämtliche Bestimmungen dieser Fischereiordnung Gültigkeit haben. Verboten sind daher beispielsweise Entnahmen von untermaßigen oder in der Schonzeit befindlichen Forellen, die Entnahme von ganzjährig geschützten Fischen oder jede nicht weidgerechte Behandlung eines Individuums Fisch, unabhängig von Art und Größe. In der Lizenz/Fangstatistik gibt es eine entsprechende Tabelle für den Eintrag von Köderfischen, die Eintragung ist verpflichtend, die Nichteintragung hätte Konsequenzen zur Folge!

C) SCHUTZ DER GEWÄSSER UND DES FISCHBESTANDES

1. Anfüttern: In allen stehenden Gewässern und Lahnen darf nicht angefüttert werden. Ausgenommen sind Futterspiralen und Körbe sowie PVA Folien (Beutel oder Schnüre).

Die Grundsatzbestimmung besagt, dass in allen stehenden Gewässern und Lahnen nicht angefüttert werden darf. Diese Bestimmung ist nicht etwa aus dem Grund entstanden, weil man den Lizenznehmern keine großen Fänge gönnt, sondern weil es einerseits zum Teil behördlich verboten ist – Baggerseen sind „offene“ Grundwasserreservoirs – und andererseits mit dem Anfüttern auch eine langsame Verschlechterung (Eutrophierung) des Fischgewässers einhergeht. Vielleicht ist sich nicht jedes Vereinsmitglied dieser möglichen Folgen bewusst. Bei Zuwiderhandeln könnte dem AFV-GRAZ eine behördliche Sperre des genannten Gewässers für die Fischerei drohen. Die Ausnahme, Futter mit einem Futterkorb, einer Futterspirale oder einer PVA-Folie auszubringen, bezieht sich auf das 1-malige (!) Ausbringen einer geringen Menge von Futter (Boilies, Teig etc. …) und nur in Verbindung mit dem Hakenköder. Wer also seinen mit Futter bestückten Köder wieder aus dem Wasser zieht, um ihn neu auszuwerfen darf keinesfalls nochmals Futter ausbringen! Die Verwendung anderer Gerätschaften als die in der Ausnahmeregelung angeführten, egal wie sie auch aussehen mögen, oder im Fachhandel genannt werden, ist ebenso wie das mehrfache Ausbringen von Futter ausnahmslos verboten und zieht disziplinäre Konsequenzen nach sich! Ein oft verbreiteter Irrglaube ist, dass Anfüttern dem Gewässer nicht schadet, sofern das Futter von den Fischen gefressen wird. Die Nährstoffe werden aber über den Umweg der Fischausscheidungen wieder in das Gewässer eingebracht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, einem Überangebot von Nährstoffen in einem Gewässer (Eutrophierung) entgegenzuwirken: 1. die massive Entnahme von Fischen 2. das Vorhandensein von großen Makrophytenbeständen (höhere Wasserpflanzen) Übrigens, haben Sie gewusst, dass ein Baggersee ohnehin sein biologisches Ablaufdatum hat? In der „Jugendzeit“ eines Baggersees, also zu Beginn der fischereilichen Nutzung kann er problemlos mit Forellen bewirtschaftet werden, das war anfangs auch am Roman Gallin See möglich. Mit der Zeit und mit dem Aufkommen übriger Fischarten wird auch der Nährstoffgehalt immer höher. Dies ist eine Entwicklung, die ohnehin von selbst ihren Lauf nimmt. Diesen Verlauf muss der motivierte Großfischjäger nicht durch das unnötige Einbringen von Nährstoffen im Zuge des Anfütterns beschleunigen! Die dzt. gültige Fischereiordnung wurde mit dem Ziel geschaffen, so kurz, kompakt und einfach wie möglich, aber auch so ausreichend und unmissverständlich wie nötig zu sein. Einen Interpretationsspielraum gibt es nicht. Sollte es tatsächlich so sein, dass jemand eine Bestimmung nicht verstehen sollte, ändert das nichts an der Verpflichtung, sie einzuhalten. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, sich mit den Hintergründen der Fischereiordnung zu beschäftigen. Beim nächsten Mal werden wir uns weiter mit dem Schutz der Gewässer und des Fischbestandes beschäftigen.

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