Aspius aspius – der Rapfen – ist vielerorts ein äußerst seltener und mit konventionellen Angelmethoden nicht gerade einfach zu fangender Raubfisch. Umso spannender kann die Pirsch mit der Fliegenrute auf den einzigen wirklich ausschließlich räuberisch lebenden Vertreter der großen Cyprinidenfamilie sein.

Tagelang hatte es geregnet. Die Pegelstände aller Flüsse waren hoch und die Wasser getrübt. An Fliegenfischen im klassischen Sinne war eigentlich gar nicht zu denken. Auch die Gleinz, das kleine, sonst so gemächliche Niederungsflüsschen führte Hochwasser und erinnerte eher an den Charakter eines Wildbaches. Kaum ein ruhiges Kehrwasser war auszumachen.

Hochwasser – aber einige Würfe
Schwierige Verhältnisse hatten mich selten wirklich abgeschreckt und so beschloss ich, wenigstens einige Würfe mit der Fliegenrute zu machen, obwohl große Chancen rechnete ich mir dabei nicht aus. Realistischer Weise waren diese sogar äußerst gering bis gar nicht vorhanden, aber was weiß man schon ganz genau? Eine mittelgroße Nymphe ans Vorfach gebunden und ab damit ins trübe Wasser, immer an der Kante zur scharfen Strömung entlang. Einige Zeit intensiven Absuchens strömungsberuhigter Zonen brachte gar nichts.

Turbulente Wasserführung im kleinen Fluss – Die Gleinz bei Hochwasser.

Turbulente Wasserführung im kleinen Fluss – Die Gleinz bei Hochwasser.

Totes Wasser
Offensichtlich war das Wasser einfach zu trüb um mit einer Nymphe etwas zu fangen. „Eher noch mit einem duftenden Naturköder;“ dachte ich insgeheim, obwohl das für mich als Fliegenfischer sowieso kein Thema war. Aber plötzlich kam dann doch ein Biss und wenig später entließ ich ein 30er Aitel wieder in den Fluss. Also schien es doch nicht vollkommen aussichtslos zu sein. Kurz darauf fing ich beim Absuchen ufernaher Strukturen noch zwei mittlere Flussbarsche. Insgesamt jedoch war das Ergebnis nicht wirklich berauschend. Ich suchte weiter nach Stellen wo Fische einen Hochwassereinstand finden konnten. Urplötzlich erregte eine kaum wahrnehmbare Bewegung entlang einer Strömungskante meine Aufmerksamkeit. Für einen Moment meinte ich zu sehen wie eine große Rückenflosse durch die Turbulenzen des aufgewühlten Wassers schnitt und rasch wieder in einer gurgelnden Schaumkrone verschwand. Welcher Fisch konnte das gewesen sein dort mitten im turbulenten Strömungsstrich? Natürlich platzierte ich sofort meine Nymphe oberhalb dieser Stelle und ließ sie mit der Drift abtreiben, wobei ich ihr durch gelegentliches Einstrippen zusätzliche Bewegung verlieh.

Plötzlich ein Schwall
Mitten in der zweiten Drift – ein plötzlicher Schwall und die Leine, die ich in einigen Schlaufen in der Hand gehalten hatte, zischte nur so durch meine Finger. Ein wilder Tanz begann. Hatte ich einen Moment gerätselt welchen Fisch ich da an der Leine hatte, waren mit seinem ersten Sprung alle Zweifel beseitigt. Auf seiner mächtigen Schwanzflosse über die gischtende Wasseroberfläche reitend, katapultierte sich ein großer Rapfen in voller Länge aus dem Wasser. Der Fisch lieferte einen Kampf auf Biegen und Brechen. Es war kaum zu glauben was hier geschah.

Ein Rapfen bietet immer einen heftigen Drill, ist er doch der schnellste Süßwasser-Räuber unserer Breiten.

Ein Rapfen bietet immer einen heftigen Drill, ist er doch der schnellste Süßwasser-Räuber unserer Breiten.

Volle Konzentration
Dieses temperamentvolle Bündel geballter Kampfkraft zu bändigen erforderte vollste Konzentration und mir war klar – auch eine gehörige Portion Glück. Der Fisch musste unbedingt von Uferbewuchs und Schwemmholzansammlungen fern gehalten werden. Schließlich nach bangen Minuten konnte ich einen prächtigen 63er Rapfen in voller Schönheit im nassen Ufergras liegend bewundern.
Großer Fisch in kleinem Fluss
Nach raschem Vermessen und einigen schnellen Fotos durfte er bald wieder in sein Element zurückkehren. Ein seltener Fisch in einer seltenen Größe hatte einen phantastischen Kampf geliefert. Was für ein Fisch in einem so kleinen Fluss. Ich hatte ja schon einige Rapfen mit der Fliegenrute gefangen, aber keiner war auch nur annähernd so groß gewesen. Nach einer Besinnungspause wollte ich nun noch kurz eine Stelle an der Mündung des Flüsschens in die Laßnitz befischen. Ich ließ dieselbe Nymphe an einer schnellen Strömungskante entlang treiben und bekam augenblicklich einen gewaltigen Biss. Wieder hatte ein großer Fisch meinen Köder genommen.

Einen „Silberbarren“ zu landen ist immer ein Erlebnis.

Einen „Silberbarren“ zu landen ist immer ein Erlebnis.

Noch einer?
Ich meinte auch hier einen Rapfen am Band zu haben und dieser musste noch größer sein. Nach einem kurzen heftigen Drill jedoch konnte sich der Fisch befreien, er hatte seine Chance genutzt. Jedenfalls war meine Zufriedenheit mit einem unerwartet erfolgreichen Angel-Tag freilich groß. Damit wollte ich es gut sein lassen und ließ in Gedanken das Erlebte auf dem Rückweg revuepassieren.
Drei Tage später führte ich einen Freund an diese Stelle und riet ihm zu einem Streamer an dieser Stelle. Einige Würfe später bekam er exakt an der von mir bezeichneten Stelle einen Biss und konnte nach spannendem Kampf einen prächtigen Rapfen von neunundsechzig Zentimetern Länge landen. Ein tolles Erlebnis für Georg. Aber auch für mich, hatte ich doch den Fisch mit dem ich einige Tage zuvor schon gekämpft hatte, ziemlich richtig eingeschätzt. Ein Rapfen an der Fliegenrute, gefangen in solcher oder ähnlicher Größe ist etwas ganz Besonderes und ein seltenes Erlebnis. Fliegenfischen auf „Nichtsalmoniden“ ist sowieso eine spannende Angelegenheit die jeder einmal versuchen sollte. Karpfen, Barben, Aitel & Co. sollte man nicht unterschätzen. Sie sind ernst zu nehmende Gegner. Wetten?!

Markantes Maul und 69 Zentimeter pure Kraft.

Markantes Maul und 69 Zentimeter pure Kraft.


Bildtexte:

Fotos: Gert Richter

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