Einst ein Allerweltsfisch ist die Nase (Chondrostoma nasus) heute in den meisten ihrer verbliebenen Lebensräume eine bedrohte Art. Aus vielen Flüssen bereits verschwunden, wurde die Nase ihres Gefährdungsgrades wegen zum Fisch des Jahres gekürt. von Gert Richter

Von der Äschenregion bis hinunter in die mittlere Barbenregion beheimatet, ist die Nase ein Bewohner kühler, zügig fließender, sauerstoffreicher Flüsse. Anzutreffen in Gewässern mit Pflanzenbeständen, wo sie bevorzugt die bewachsenen Kiesbänke und Rinnen zwischen den Fahnen des flutenden Hahnenfußes abweidet. Ihre Nahrung: Primär pflanzlicher Aufwuchs inklusive tierischer Bewohner der Algenwatten wie Insektenlarven, Bachflohkrebse, Wasserasseln, Würmer und Schnecken.

Nase auf flutendem Hahnenfuß, Krka.

Nase auf flutendem Hahnenfuß, Krka.

Spezielle Ansprüche

Die Fortpflanzung der großwüchsigen, langlebigen Vertreter der Cyprinidenfamilie (Karpfenartige) setzt saubere Kiesbänke mittlerer Korngrößen voraus, wo die klebrigen Eier in großen Mengen anhaften und sich innerhalb weniger Tage zu filigranen Larven entwickeln. In diesem Stadium benötigt die empfindliche Nasenbrut strömungsberuhigte Buchtareale, Kehrwasser, Ruhezonen wie Altarme und langsam strömende Nebenarme. Als Zugehörige zur Gilde der Mittelstreckenwanderer legt die Nase auf ihren Laichzügen bis zu 300 Kilometer zurück. Einst waren die riesigen Laichzüge ein von Fischern sehnlich erwartetes alljährliches Spektakel. Im gesamten Donauraum waren Nasen die Brotfische der Berufsfischer. In großen Mengen wurde die Nase als klassischer „Steckerlfisch“ vermarktet, oftmals auch von Bauern als Viehfutter oder als Dünger für die Felder verwendet. Diese Zeiten sind leider vorbei. Und dennoch, die wenig rücksichtsvolle Nutzung der Bestände und hoher Befischungsdruck sind nicht der Grund des Niedergangs der Nasenpopulationen.

Regulierung und Kraftwerke

Zerschneidung der Flüsse durch Stauhaltungen unzähliger Wasserkraftwerke sowie sonstiger unpassierbarer Querbauwerke ist in erster Linie verantwortlich für die Verhinderung notwendiger Laichwanderungen, das Verschwinden der Laichplätze und Aufwuchshabitate. Die Regulierungswut der letzten Jahrzehnte, unzureichende Gewässervernetzung und untaugliche Fischwanderhilfen, tragen zum Bestandsrückgang bei.

Wundervolle Nase aus unserem Vereinsgewässer Kainach.

Wundervolle Nase aus unserem Vereinsgewässer Kainach.

Prädatorendruck

Zu allem Überfluss suchten dann ab Mitte der 1990er Jahre alljährlich übergroße Bestände von Kormoranen in nie dagewesener Menge scheinbar zielgenau die Lebensräume von Äsche und Nase heim. Ähnlich wie die Äsche hat die Nase kein ausgeprägtes Fluchtverhalten und ist dadurch eines der ersten Opfer der Prädatoren. Diesem Druck haben die geringen Restbestände an Nasen nichts entgegenzusetzen. So schwinden die letzten kleinen Populationen unaufhaltsam. Ohne den Fraßdruck zu minimieren wird die Nase als wichtiger Teil der heimischen Fischfauna nicht zu retten sein. Renaturierungen, Bestandsstützungen und sonstige Schutzbestimmungen stellen keine ausreichenden Maßnahmen dar um den „Fisch des Jahres 2015“ für die Zukunft zu erhalten. Der AFV-Graz fördert in seinen Gewässern Renaturierungen und stützt die Nasenbestände durch ein Artenschutzprogramm, welches Schonbestimmungen und das Einbringen von Jungfischen umfasst. Die wertvollen Nasenbestände zu erhalten erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit.

richter@derangelhaken.at

1 Antwort

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  1. […] Mehrzahl sind Aitel, jedoch auch Barben, Nasen (übrigens „Fisch des Jahres 2015“), Strömer und Bachforellen lassen sich vor der Linse am Futterplatz blicken. Sehr erfreulich ist […]

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