Der Herbst ist die hohe Zeit des Fliegenfischens. Nun galt es am Fluss jede Stunde mit guten Bedingungen zu nutzen, bevor Nebel und Frost dieser Herrlichkeit ein Ende bereiteten. Von Gert Richter

Die Föhnwetterlage zu Herbstbeginn machte noch ein letztes Mal in diesem Jahr Temperaturen von knapp 26°C möglich. Angenehm warm und leicht bewölkt, bestes Fliegenfischer-Wetter also. Der moderate Föhnwind zerrte erste Blätter aus den mächtigen Uferbäumen und ließ sie wie Segelschiffchen mit der Strömung den Fluss hinabtreiben. Die dunkle Wasseroberfläche zeigte fantastisch anmutende Spiegelungen, sobald ein sporadischer Sonnenstrahl in einem kurzen Fenster die Wolkendecke durchbrach.

Goldener Herbst: Spannend ist die Nymphenfischerei auf Barben ©Richter

Goldener Herbst: Spannend ist die Nymphenfischerei auf Barben ©Richter

UNSICHTBARE INSEKTEN
Die Äschen stiegen willig auf unsichtbare, winzige Insekten. Schwierige Verhältnisse für den Fliegenfischer, denn die Fische waren heikel und nahmen ihre Nahrung äußerst selektiv auf. Kleinste Trockenfliegenmuster waren die Wahl der Stunde. Einige der Äschen waren schließlich auch zu überzeugen ein solches Angebot anzunehmen. Eine gute Stunde mit herrlicher Herbstfischerei folgte. Allmählich ließ die Aktivität der Fische aber nach und verebbte schließlich ganz. Kein Ring zeigte sich mehr am bleiern schimmernden Wasserspiegel.

IN DER TIEFE…
Tief am Flussgrund jedoch waren schemenhaft große, goldene, rotflossige Fische auszumachen, die langsam im lockeren Schwarm flussaufwärts zogen. Hin und wieder war das Aufblitzen silberner Flanken zu sehen. Ein Schwarm Barben mit einigen großen Nasen im Gefolge befand sich auf einer „Futterwanderung“. Am oberen Ende des Zuges angekommen, wo die scharfe Strömung über grobes Felsgestein floss, ließen sie sich wieder abtreiben. Hinab bis in den Auslauf des Zuges, um ein weiteres Mal von unten nach oben den pflanzlichen Aufwuchs mitsamt den vielen kleinen Organismen und Nährtieren von den Steinen am Flussgrund abzuweiden. Mal um Mal wiederholten sie denselben Vorgang. Perfekt also zum Nymphenfischen, das auf Barben eine spannende Angelegenheit ist, wenn auch zugegebener Weise nicht ganz einfach.

Beschwerte, größere Nymphenmuster mit etwas Glitzereffekt versprechen Fangerfolg im Herbst auf Barben © Richter

Beschwerte, größere Nymphenmuster mit etwas Glitzereffekt versprechen Fangerfolg im Herbst auf Barben © Richter

HEIKLE BARBEN
Ein passendes Muster vorausgesetzt, ist die richtige Präsentation der Nymphe von grundlegender Bedeutung. Sie muss mit der Trift exakt in der richtigen Tiefe, in der richtigen Geschwindigkeit sowie in einem seitlichen Fenster von nicht mehr als 15 Zentimeter an der Barbe vorbeitreiben. Außerhalb dieses engen Korridors wird in aller Regel keinerlei Notiz von jeglichem „Treibgut“ genommen. Die Barben waren eindeutig fressaktiv, aber eine ganze Stunde lang hatte das Anbieten verschiedenster Muster keinen Erfolg gebracht. Schließlich band ich eine relativ große Imitation einer Steinfliegenlarve ans Vorfach. Eigentlich war ja nicht die Jahreszeit in der große Steinfliegenlarven natürlicher Weise vorkommen, aber einen Versuch war es wert. Steinfliegenlarven sind ob ihrer Größe eine attraktive Beute für viele größere Fische. Knapp zehn Meter entfernt zog nun eine mittelgroße Barbe im etwa eineinhalb Meter tiefen Wasser an mir vorbei flussaufwärts. Ihre prächtig orangeroten Flossen leuchteten in einem kurzen Sonnenstrahl auf. Auf Tiefe gebracht, sollte die Steinfliegennymphe mit der Trift knapp an dem schönen Fisch vorbeitreiben. In der diffusen Tiefe des rasch strömenden Rinners konnte man scharfe Konturen nur schwer erkennen. Plötzlich aber scherte der Fisch etwa zehn Zentimeter seitlich aus und ein kaum merkbarer Ruck ließ die treibende Leine für einen Augenblick verharren.

BISS!
Das war der Moment um die Rute zügig aber wohl dosiert anzuheben und Kontakt zum Fisch aufzunehmen. Die Rute verneigte sich tief, eine sofortige vehemente Flucht zeigte die enorme Stärke des Fisches. Als einer der kräftigsten Flussfische, lieferte die Barbe einen harten Kampf, besonders natürlich an der sensiblen Fliegenrute. Schließlich gab sich nach einigem Hin und Her eine prachtvolle Barbe geschlagen. Kein Riese, aber ein makelloser 55er Fisch, der nach kurzem Fototermin wieder in sein Reich zurückkehren durfte. Ein weiterer Versuch brachte mit demselben Muster bereits nach der dritten Trift die nächste schöne Barbe, nur unwesentlich kleiner als die erste. Nachdem klar war, dass die Steinfliegenlarve eine gute Wahl war, sollte nun auch ein Phantasie-Muster getestet werden. Kupferperle, dunkel abgesetzter Thorax und hellblauer Körper mit leichtem Glitzereffekt.

Beim letzten Blick zurück lag der Fluss wie unberührt im herbstlichen Zwielicht der beginnenden Dämmerung ©Richter

Beim letzten Blick zurück lag der Fluss wie unberührt im herbstlichen Zwielicht der beginnenden Dämmerung ©Richter

EINE GEHT NOCH…
Überraschend – schon beim ersten Versuch nahm eine 47er Barbe das Angebot an. So konnte in sehr kurzer Zeit der dritte tolle Fisch nach passablem Kampf an die Schotterbank gebracht werden. Damit ließ ich es dann gut sein. Herz was willst du mehr! Nach knapp drei Stunden hoch zufrieden ob der herrlichen Herbstfischerei, die immerhin neben acht schönen Äschen auch drei prächtige, goldene Barben gebracht hatte, war es Zeit zum Aufbruch. Beim letzten Blick zurück lag der Fluss wie unberührt im herbstlichen Zwielicht der beginnenden Dämmerung.

Mein Tipp: Für das Fliegenfischen auf Barben kommt jedes gut beschwerte, größere Muster in Frage, das gern mit etwas Glitzereffekt ausgestattet sein soll. Manchmal allerdings sind die „Viecher“ extrem heikel und man muss ihnen schon etliche Muster zeigen bis vielleicht das Richtige dabei ist.

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