Fischen mit der Schwingspitze – Eine beinahe vergessene Methode. Wir haben uns dieser interessanten und feinen Art der Fischerei angenommen. getestet von Christian Tasch

Einige werden noch wissen, was es mit der Schwingspitze auf sich hat oder haben gar selbst noch eine Schwingspitzenrute mit dem charakteristischen Endring zu Hause. Für alle anderen: Die Schwingspitze ist einer der sensibelsten Bissanzeiger für das Grundangeln in stehenden, bei sehr schwacher Strömung aber auch in fließenden Gewässern. Erfunden wurde die Schwingspitze – wo sonst – in England, wo durch starken Wind das Fischen mit Schwimmer auf weite Entfernungen fast unmöglich war. Mit der Schwingspitze kann man selbst die vorsichtigsten Bisse erkennen, mit keinem anderen Bissanzeiger ist dies sonst möglich. Da die Fische beim Biss keinen Widerstand spüren, fallen die Bisse auch dementsprechend heftig aus.

Einer der sensibelsten Bissanzeiger überhaupt -  die Schwingspitze © Markus Griesangerl

Einer der sensibelsten Bissanzeiger überhaupt – die Schwingspitze © Markus Griesangerl

Die Ausrüstung
Schwingspitzen sind zwischen 25 und 30 Zentimeter lang und werden aus Metall, Holz oder Kunststoff hergestellt, je nach Einsatzgebiet. Die Verbindung zur Rute erfolgt über ein Stück Gummischlauch und einer kleinen Schraube, die in einen speziellen Spitzenring mit Innengewinde eingeschraubt wird. Als ideale Länge für die Rute gilt 2,70 – 3 Meter Länge. Längere Ruten sind für das Anheften bei schnellen Bissen zu langsam. Als Rolle empfiehlt sich eine Stationärrolle mit guter, fein einstellbarer Bremse – bespult mit monofiler Schnur mit maximal 0,22 mm Durchmesser.
Die Montage ist recht einfach, es genügt eine simple Laufbleimontage, bei der man wahlweise einen Futterkorb oder ein Grundblei einhängen kann. Die Vorfachlänge sollte min. 50 cm betragen. Da die Spitze umso besser arbeitet, je leichter das Grundblei ist, sollten Bleie mit maximal 15 Gramm verwendet werden.

Handling
Etwas komplizierter ist das Werfen mit der Schwingspitze und erfordert Einiges an Übung. Die Schwingspitze hängt ja frei an der Rutenspitze und bei einem ruckartigen Wurf verwickelt sich die Schnur an der Schwingspitze. Mit einem weichen, runden Wurfstil kann das nicht passieren. Man zieht die Rute beim Wurf weich durch, lässt die Schnur erst bei etwa 10 Uhr los und die Rute in dieser Position fixiert, bis das Blei auf dem Wasser aufschlägt. Ein Tipp: Bremst man den Wurf kurz vor Aufschlag des Bleies leicht ab, liegt die Schnur schön straff am Wasser auf. Nach dem Absinken die Rute auf 2 Rutenauflagen legen und die Schnur straffen, bis die Schwingspitze in einem rund 45° Winkel zur Rute steht.
Ich persönlich benutze nur 1 Rutenauflage, halte die Rute in der Hand und lege das
Griffende am Oberschenkel auf. Bei vorsichtigen Bissen ist man beim Heften einfach schneller.
Das „Wann soll ich heften?“ muss jedoch jeder für sich herausfinden. Manchmal hängt der Fisch beim kleinsten Zucken, ein andermal steht die Schwingspitze gerade und man spürt beim Heften keinen Widerstand. Hier hilft Variieren der Vorfachlänge und des Wurfgewichts.

Wer statt eines Grundbleis mit Futterkorb fischt, sollte kein zu festes Futter verwenden und dieses nur locker einfüllen. Nach dem Absinken die Schnur straffen und den Futterkorb um etwa eine Vorfachlänge heranziehen. Der Futterkorb leert sich dabei und der Köder bleibt direkt in der Duftspur liegen. Somit also eine sehr effektive, feine, aber vor allem simple Methode des Fischens, unabhängig der Windstärke.

Hier noch eine kurze Anleitung zum Bau einer Schwingspitze, die mit jeder Rute mit einem normalen Endring gefischt werden kann. Quasi Schwingspitze für Jedermann.
  • Das benötigte Material:
  • Messingrohr 25 cm lang, 3mm Ø
  • 5 cm Gummischlauch Innen Ø 3mm
  • Draht, zum Biegen eines Endrings oder gleich einen gebrauchten Endring
  • Superkleber
  • Wirbel mit Karabiner
  • Stück Schlauch zum
  • Fixieren des Endrings
Mit wenig Material eine Schwingspitze selbst basteln © Christian Tasch

Mit wenig Material eine Schwingspitze selbst basteln © Christian Tasch

Gebogener Draht kann auch als Ring verwendet werden © Christian Tasch

Gebogener Draht kann auch als Ring verwendet werden © Christian Tasch

Der Ring wird mit Superkleber in den Schlauch eingeklebt und fixiert © Christian Tasch

Der Ring wird mit Superkleber in den Schlauch eingeklebt und fixiert © Christian Tasch

Schlauch auf Messingrohr ziehen und Karabiner einkleben © Christian Tasch

Schlauch auf Messingrohr ziehen und Karabiner einkleben © Christian Tasch

Diese Schwingspitze funktioniert hervorragend, doch sollte man anfangs noch vorsichtiger beim Werfen sein – Gefahr von Verhedderungen. Viel Spaß beim Ausprobieren und Petri Heil!

Mit der Schwingspitze kann man selbst die vorsichtigsten Bisse erkennen © Markus Griesangerl

Mit der Schwingspitze kann man selbst die vorsichtigsten Bisse erkennen © Markus Griesangerl

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